Die CSRD-Pflicht entfällt (vielleicht) für Ihr Unternehmen – ESG-Erwartungen nicht. Der VSME-Standard bietet KMU eine schlanke, freiwillige Alternative, reicht aber allein oft nicht aus. Warum das jetzt wichtig wird und wie Sie „VSME plus“ mit System umsetzen, erfahren Sie hier.
04.04.2025
6 Minuten Lesezeit

Die Anforderungen an die Nachhaltigkeitsberichterstattung in Europa verändern sich rasant – und viele Unternehmen fragen sich, ob sie künftig überhaupt noch berichten müssen. Doch ganz gleich, ob eine direkte gesetzliche Pflicht besteht oder nicht: Die Erwartung an Unternehmen, Nachhaltigkeitsinformationen bereitzustellen, wächst weiter.
Für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) ist der freiwillige VSME-Standard deshalb eine relevante und praxisnahe Lösung. Er ermöglicht standardisiertes ESG-Reporting ohne den bürokratischen Aufwand einer vollständigen Berichterstattung im Sinne der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) – denn der VSME enthält nur 140 statt bis zu 1.200 Datenpunkte.
Was ist der VSME-Standard?
Der Voluntary Sustainability Reporting Standard for non-listed Micro-, Small- and Medium-sized Enterprises – kurz VSME – wurde von der European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG) im Auftrag der EU-Kommission entwickelt.1 Ziel ist es, insbesondere kleine und mittlere Unternehmen ohne Börsennotierung dabei zu unterstützen, ihre Nachhaltigkeitsleistungen freiwillig, aber strukturiert und nachvollziehbar zu dokumentieren.
Der Standard orientiert sich inhaltlich an der europäischen CSRD-Richtlinie, bleibt dabei jedoch bewusst schlank: Er wurde proportional zur Größe und Komplexität von KMU konzipiert und soll ohne tiefgreifende externe Beratung umgesetzt werden können. Gleichzeitig schafft der VSME eine einheitliche Grundlage, um ESG-Anforderungen von Kund:innen, Banken und anderen Stakeholdern besser erfüllen zu können.
Warum der VSME gerade jetzt an Bedeutung gewinnt
Mit dem aktuellen Vorschlag zur sogenannten Omnibus-Verordnung plant die EU-Kommission, die Berichtspflichten der CSRD deutlich zu verschlanken. Künftig sollen nur noch Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitenden, über 50 Mio. € Umsatz oder einer Bilanzsumme über 25 Mio. € zur Nachhaltigkeitsberichterstattung verpflichtet sein. Das würde rund 80 % der bislang betroffenen Unternehmen von der Pflicht entbinden.
Für viele KMU bedeutet das zunächst einmal: keine gesetzliche Berichtspflicht mehr.
Doch diese Entlastung bringt eine neue Herausforderung mit sich: Stakeholder – insbesondere große, weiterhin CSRD-pflichtige Unternehmen sowie Banken – erwarten weiterhin ESG-Daten entlang der Lieferkette. Genau hier setzt der VSME-Standard an: Er bietet eine strukturierte, anerkannte Antwort auf Informationsanforderungen, ohne dass KMU sich durch 1.200 Datenpunkte und komplexe Analysen kämpfen müssen.
Kurz gesagt: Die CSRD rückt in den Hintergrund – der VSME in den Vordergrund.
„Nachhaltigkeitsberichterstattung ist für KMU nicht nur eine kurzfristige Pflichtübung, sondern eine strategische Maßnahme, die langfristig Vorteile bringt und hier bietet der VSME eine praktikable Lösung, um diesen Einstieg zu erleichtern und sich zukunftssicher aufzustellen.“
– Prof. Dr. Mike Schulze im Podcast „FACHFRAGEN“2
Was der VSME-Standard beinhaltet – und was nicht
Der VSME-Standard ist modular aufgebaut und umfasst zwei aufeinander aufbauende Berichtsoptionen:
1. Basismodul
Das Basismodul enthält elf Offenlegungspflichten aus den ESG-Bereichen Umwelt, Soziales und Governance. Berichtet wird mit einem Mix aus qualitativen Textfeldern, semi-narrativen „Ja/Nein“-Fragen, Zielen und Maßnahmen sowie einfacheren Kennzahlen (z. B. Energieverbrauch, Mitarbeitendenstruktur, Diversität).
2. Umfassendes Modul
Zusätzlich zum Basismodul können Unternehmen neun weitere Offenlegungen im Rahmen des „Comprehensive Module“ bearbeiten – etwa zu Scope-3-Emissionen, Klimarisiken oder Menschenrechtspolitiken für die eigenen Arbeitskräfte des Unternehmens. Die Inhalte orientieren sich an internationalen Standards und ermöglichen eine vertiefte ESG-Darstellung, etwa für Ausschreibungen, Kund:innen und bei Banken oder Investoren.
Insgesamt umfasst der VSME-Standard rund 140 Datenpunkte. Etwa ein Drittel davon entspricht direkt den CSRD-/ESRS-Anforderungen, ein weiteres Drittel orientiert sich daran – in vereinfachter Form. Das verbleibende Drittel wurde speziell für die Bedürfnisse von KMU neu entwickelt.

Ein Anfang, aber nicht genug: Die Schwächen des VSME
So hilfreich der VSME-Standard für den Einstieg in die ESG-Berichterstattung ist – für ein substanzielles, glaubwürdiges Nachhaltigkeitsreporting stößt er in vielen Fällen an seine Grenzen. Denn im Unterschied zur CSRD bzw. den ESRS-Standards verzichtet der VSME-Standard auf einige zentrale Elemente:
- keine doppelte Wesentlichkeitsanalyse
- keine Pflicht zur externen Prüfung
- keine umfassende Berichterstattung zur Lieferkette
- keine Verpflichtung zur EU-Taxonomie
- keine sektorspezifischen Anforderungen
Diese Vereinfachungen machen den VSME attraktiv – doch sie bringen auch klare Einschränkungen mit sich. In der Praxis wird schnell deutlich: Alle Stakeholder-Anforderungen lassen sich mit dem VSME allein nicht erfüllen.
Beispielsweise enthält der Standard keine Vorgaben zum Thema Tierwohl. Doch ein Molkerei-, Legehennen- oder Fleischbetrieb, der diesen Aspekt im Nachhaltigkeitsbericht vollständig ausklammert? Kaum vorstellbar. Ebenso wenig kann ein Unternehmen, das kritische Rohstoffe wie seltene Erden oder Textilien bezieht, glaubwürdig über Nachhaltigkeit berichten, ohne auch die Risiken entlang seiner Lieferkette offenzulegen.
Auch die Struktur der Berichterstattung selbst bleibt im VSME oberflächlich: Viele der vorgesehenen Datenpunkte sind semi-narrativ gehalten, also eher beschreibend als messbar – und geben damit nur begrenzt Aufschluss über die tatsächliche Nachhaltigkeitsleistung eines Unternehmens.
All das zeigt: Der VSME bietet eine solide Grundstruktur, aber er muss in vielen Fällen ergänzt werden, um den steigenden Anforderungen von Kund:innen, Geschäftspartnern, Banken oder Ausschreibungen gerecht zu werden. Deshalb empfehlen wir, den Standard gezielt um unternehmensrelevante und branchenspezifische ESG-Themen zu erweitern. Diesen strategischen, praxisnahen Ansatz nennen wir „VSME plus“.
VSME plus und CSRD light: So setzen Sie den VSME mit System um
Wer die Chancen des VSME nutzen möchte, braucht neben Inhalten auch eine strukturierte Vorgehensweise. Genau hier setzen die Lösungen VSME plus und CSRD light von leadity an – zwei pragmatische Wege, um Nachhaltigkeit glaubwürdig, digital und zukunftssicher zu berichten.
VSME plus – ESG schlank berichten, aber nicht ohne Plan
Zielgruppe: KMU, die freiwillig berichten wollen, um Stakeholder-Anforderungen effizient zu erfüllen, ohne sich in komplexen Systemen zu verlieren.
Ihr Fahrplan:
- Reduzierte doppelte Wesentlichkeitsanalyse (vereinfachte Bewertung, einfachere Betrachtung der Wertschöpfungskette)
- Berichterstattung gemäß Datenpunkten aus VSME-Basis- und Comprehensive-Modul
- Erweiterung durch branchenrelevante Top-Themen und Datenpunkte aus relevanten Frameworks
- Parallele Nutzung für ESG-Ratings & Lieferkettenfragebögen (z.B. EcoVadis)
Ihr Vorteil: Mit VSME plus können Sie rund 70 % aller ESG-Anforderungen erfüllen – schlank, glaubwürdig und zukunftssicher.
CSRD light – für anspruchsvolle Branchen und Corporate-Kunden
Zielgruppe: Unternehmen in nachhaltigkeitskritischen Branchen, mit CSRD-pflichtigen Corporate-Kund:innen, oder solche, die als First Mover mit ESG überzeugen wollen.
Ihr Fahrplan:
- Durchführung einer fokussierten doppelten Wesentlichkeitsanalyse
- Auswahl der business-relevanten ESRS-Datenpunkte (typischerweise max. 400)
- Klare, standardisierte Berichterstattung ohne 1.200 Einzelkennzahlen
- Glaubwürdig & anschlussfähig für EU-Regularien (sowie Ihre Kund:innen, die danach berichten)
Ihr Vorteil: CSRD light bringt Sie nahe an ESRS, aber mit einem Aufwand, der zum Mittelstand passt – und positioniert Sie als verlässlichen ESG-Partner in der Wertschöpfungskette.
Fazit: Freiwillig berichten – strategisch handeln
Auch wenn die CSRD-Pflicht für viele Unternehmen (vorerst) entfällt: ESG-Reporting und -Management bleiben zentrale Themen – für Ihre Positionierung am Markt, für Ihre Lieferkette, für Ihre Finanzierung.
Mit dem VSME-Standard und den ergänzenden Konzepten VSME plus und CSRD light bieten wir eine digitale, strukturierte und zukunftsorientierte Lösung für KMU, die nachhaltiger wirtschaften und dies auch zeigen wollen.
Das Beste: Die leadity-Software ist modular aufgebaut und wächst mit Ihnen und den externen Anforderungen mit. Sie buchen jeweils nur die Teile der Software, die für Sie aktuell nützlich sind. Wie genau dieses System funktioniert, erklären wir Ihnen gerne in einem kostenlosen Demo-Termin. Im Anschluss können Sie die leadity-Software selbst unverbindlich testen.
VSME-Reporting mit System – dank leadity
leadity ist Ihre Plattform für freiwilliges ESG-Reporting, das wirkt. Ob VSME plus, CSRD light, Klimabilanz und Dekarbonisierung oder zertifiziertes Nachhaltigkeitsmanagement: Mit leadity berichten Sie glaubwürdig, effizient und jederzeit anschlussfähig – für Stakeholder, Kund:innen und die Zukunft Ihres Unternehmens.
- VSME-Reporting effizient umsetzen
- ESG-Daten intelligent strukturieren
- CO2-Ausstoß messen & Dekarbonisierung managen
- Stakeholder-Anforderungen systematisch erfüllen
- Modular & jederzeit anpassungsfähig

1 Vollständiger VSME der EFRAG (bislang nur auf Englisch verfügbar)

Pia Röpke
Pia ist als Content Managerin bei leadity dafür zuständig, komplexe Nachhaltigkeitsthemen einfach auf den Punkt zu bringen. Das tut sie hier im Magazin, in unserem Newsletter und auf LinkedIn.
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