
FLAG-Emissionen – der nächste Schritt in Ihrer Klimastrategie
Viele Unternehmen haben ihre Klimabilanz im Griff – und übersehen dabei eine der größten Emissionsquellen. FLAG-Emissionen aus Forst-, Land- und Agrarwirtschaft machen bei betroffenen Unternehmen oft den größten Teil des CO₂-Fußabdrucks aus. Lesen Sie, was FLAG-Emissionen sind, wen sie betreffen und wie leadity die Bilanzierung für Sie übernimmt.
05.03.2026
5 Minuten Lesezeit
Unternehmen stehen zunehmend unter Druck: Regulatorik, Stakeholder und Markt verlangen vollständige und wissenschaftlich fundierte Klimastrategien. Viele haben Scope 1 und 2 bereits im Griff, doch spätestens wenn es um Scope 3 geht, tauchen Emissionsquellen auf, die bislang kaum jemand auf dem Radar hatte. Wer beispielsweise Lebensmittel produziert oder vertreibt muss sich fragen: Wie viel CO₂ steckt eigentlich in der Landnutzung hinter Ihren Rohstoffen? Wie viel Methan entsteht in der Lieferkette, bevor ein Produkt überhaupt Ihr Unternehmen erreicht?
Genau hier setzen FLAG-Emissionen an. Sie erfassen, was klassische Klimabilanzen oft auslassen und werden durch die Science Based Targets initiative (SBTi) zunehmend zur Pflicht. Für Unternehmen in der Lebensmittel-, Agrar- und Forstbranche ist das keine ferne Zukunft, sondern bereits heute Realität.
Was sind FLAG-Emissionen?
FLAG steht für Forests, Land and Agriculture – also Forst-, Land- und Agrarwirtschaft. Gemeint sind damit alle Treibhausgasemissionen, die durch landbasierte Aktivitäten entstehen: durch die Art, wie wir Böden bewirtschaften, Wälder nutzen und Lebensmittel produzieren.
Das GHG Protocol nennt konkrete Beispiele, die zeigen, wie vielfältig diese Emissionsquellen sind:
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Landnutzungsänderungen, etwa wenn Waldflächen in Ackerland umgewandelt werden und dabei über Jahrzehnte gespeicherter Kohlenstoff freigesetzt wird
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Methanemissionen aus der Viehhaltung – Methan ist kurzfristig ein deutlich wirkungsstärkeres Treibhausgas als CO₂
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Lachgas aus dem Einsatz von Düngemitteln auf landwirtschaftlichen Flächen
Gleichzeitig ist dieser Sektor einzigartig und bietet Chancen: Er ist nicht nur Emissionsquelle, sondern kann auch als Kohlenstoffsenke wirken. Intakte Wälder, gesunde Moorböden und regenerative Landwirtschaft binden CO₂ aus der Atmosphäre – ein Potenzial, das in der Klimastrategie zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Warum sind FLAG-Emissionen relevant?
Der Forst-, Land- und Agrarsektor gehört zu den Bereichen, die vom Klimawandel am stärksten betroffen sind. Gleichzeitig trägt dieser Sektor erheblich zum Klimawandel bei. Rund ein Viertel aller globalen Treibhausgasemissionen stammt aus landbasierten Quellen. Das macht FLAG zu einem der bedeutendsten Handlungsfelder auf dem Weg zum 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaschutzabkommens.
Hinzu kommt: Die landwirtschaftliche Produktion wird durch eine wachsende Weltbevölkerung in den kommenden Jahrzehnten voraussichtlich weiter ansteigen. Wer das Klimaziel ernst nimmt, kommt an FLAG-Emissionen nicht vorbei.
Für Unternehmen in der Lebensmittel-, Agrar- und Forstbranche ist das besonders relevant: FLAG-Emissionen können dort den größten Teil des gesamten CO₂-Fußabdrucks ausmachen, oft versteckt tief in der Lieferkette, in Scope 3.
Und genau das macht sie so schwer greifbar: Anders als Energieverbrauch oder Fuhrpark lassen sie sich nicht einfach ablesen. Sie entstehen auf Feldern, in Wäldern und Ställen – häufig auf anderen Kontinenten.
Wie stehen FLAG-Emissionen in Zusammenhang mit den drei Scopes?
FLAG-Emissionen können in verschiedenen Scopes anfallen. In Scope 1, wenn ein Unternehmen selbst landwirtschaftlich tätig ist, aber auch in Scope 3, wenn landbasierte Emissionen entlang der Lieferkette entstehen. Entscheidend ist bei FLAG-Emissionen weniger, wo die Emissionen entstehen, sondern wie, nämlich durch welche Aktivitäten.
In der Praxis ist Scope 3 der entscheidende Faktor: Der weitaus größte Teil der FLAG-Emissionen entsteht nicht im eigenen Betrieb, sondern bei Lieferant:innen, in der Rohstoffproduktion und in vorgelagerten Wertschöpfungsstufen, oft weit entfernt vom eigenen Unternehmensstandort.
Genau das macht FLAG-Emissionen so schwer greifbar. Während Scope-1- und Scope-2-Emissionen aus dem eigenen Energieverbrauch oder dem Fuhrpark noch vergleichsweise einfach zu erfassen sind, erfordert Scope 3 einen tiefen Blick in die Lieferkette. Welche Rohstoffe kommen woher? Wie wurde das Land genutzt, auf dem Ihre Zutaten angebaut wurden? Welche Emissionen entstanden dabei? Diese Fragen sind komplex und ohne die richtigen Daten kaum zu beantworten.
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Wer muss FLAG-Emissionen erfassen?
Primär betroffen sind Unternehmen aus der Forst-, Land- und Agrarwirtschaft. Doch auch andere Branchen sind betroffen: Auch Unternehmen, deren Wertschöpfungskette zu einem wesentlichen Teil auf landbasierten Aktivitäten beruht, fallen in den Anwendungsbereich. Als Richtwert gilt: Wer mehr als 20 % seiner Emissionen aus landbasierten Quellen bezieht, muss FLAG-Emissionen gesondert bilanzieren.
Das betrifft in der Praxis unter anderem:
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Lebensmittel- und Getränkeindustrie
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Handelsketten mit Eigenmarken (z. B. mit Fleisch-, Milch- oder Kaffeeprodukten)
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Papier- und Holzindustrie
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Textilunternehmen, die Naturfasern wie Baumwolle oder Wolle verarbeiten
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Agrarunternehmen
War FLAG lange vor allem ein Thema für große Konzerne, ist es inzwischen auch für den Mittelstand zunehmend relevant. Nicht zuletzt durch die wachsenden Anforderungen der Science Based Targets initiative (SBTi).
Der Zusammenhang zwischen FLAG-Emissionen und SBTi
Die SBTi hat sich als globaler Standard für wissenschaftsbasierte Klimaziele etabliert. Wer sich der SBTi verpflichtet und wissenschaftsbasierte Klimaziele für sein Unternehmen definiert, muss – sofern FLAG-Emissionen relevant sind – diese gesondert bilanzieren und eigene Reduktionsziele dafür setzen.
Die SBTi hat dafür spezifische FLAG-Richtlinien entwickelt. Sie verpflichten betroffene Unternehmen dazu, landbasierte Emissionen nicht einfach in die allgemeine Klimabilanz einzurechnen, sondern separat auszuweisen und mit eigenen, ambitionierten und wissenschaftlich fundierten Zielen zu hinterlegen. Dazu gehört auch ein No-Deforestation-Commitment, also die Verpflichtung, keine Entwaldung durch die eigene Lieferkette zu verursachen.
Der Grund für diese Trennung liegt in der Methodik: Die Bilanzierung im Landsektor folgt eigenen Regeln und erfordert eine spezifische Vorgehensweise, die sich von der klassischen Scope-1-2-3-Bilanzierung unterscheidet.
Was bedeutet das zeitlich? Unternehmen, die sich nach April 2023 zur SBTi verpflichten, müssen die FLAG-Richtlinien von Beginn an berücksichtigen. Für frühere Commitments galten gestaffelte Übergangsfristen. Wer heute ein SBTi-Commitment anstrebt, kommt an FLAG nicht vorbei.
leadity x CarbonCloud: Starke Partnerschaft für FLAG-Emissionen
Genau hier setzt leadity an. Wir haben exklusiv in der DACH-Region eine Partnerschaft mit CarbonCloud geschlossen, dem führenden Anbieter für FLAG-Emissionsfaktoren mit über 50.000 spezifischen Datenpunkten.
CarbonCloud hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Lebensmittel- und Getränkeindustrie mit hochwertigen Klimadaten zu versorgen und Unternehmen dabei zu unterstützen, Klimaschutz als echte Geschäftschance zu nutzen.
FLAG-Emissionen in leadity erfassen: So einfach geht’s
Eine CO₂-Bilanzierung mit leadity macht es Ihnen so einfach wie möglich. Wer seine Klimabilanz bereits mit leadity erstellt, hat den Großteil der Arbeit schon getan und wer Scope 3 bereits bilanziert, hat die meisten relevanten Daten ohnehin bereits erfasst.
Der Ablauf ist dann wie folgt:
1. Relevanzprüfung: leadity prüft, ob und in welchem Umfang FLAG-Emissionen für Ihr Unternehmen relevant sind.
2. Freischaltung: Sind FLAG-Emissionen relevant, werden die entsprechenden CarbonCloud-Emissionsfaktoren für Ihren Account aktiviert.
3. Automatische Bilanzierung: FLAG-Emissionen werden automatisch und parallel zur bestehenden CO₂-Bilanzierung erfasst und ausgewiesen.
4. SBTi-Konformität: Die Ergebnisse sind so aufbereitet, dass sie die Anforderungen der SBTi FLAG-Richtlinien erfüllen.
Für Unternehmen entsteht dabei kein Zusatzaufwand. Der Prozess läuft im Hintergrund, sichtbar nur im Ergebnis: einer vollständigen, belastbaren Klimabilanz.
Fazit: FLAG-Emissionen als Chance nutzen
FLAG-Emissionen sind für viele Unternehmen der größte noch nicht gehobene Hebel in der Klimastrategie. Sie sind komplex, oft unsichtbar, aber mit den richtigen Werkzeugen und verlässlichen Daten sehr wohl bilanzierbar.
Wer sich heute mit SBTi beschäftigt oder bereits Klimaziele gesetzt hat, sollte FLAG nicht als zusätzliche Bürde betrachten, sondern als Chance. Die Chance, den eigenen CO₂-Fußabdruck vollständig zu verstehen, Stakeholder und Investor:innen gegenüber transparent zu sein und die eigene Lieferkette zukunftsfähig aufzustellen.
leadity macht diesen Schritt so einfach wie möglich. Mit der exklusiven CarbonCloud-Integration werden FLAG-Emissionen automatisch und ohne Mehraufwand in Ihre bestehende Klimabilanz integriert, damit Ihre Bilanz vollständig und SBTi-konform bleibt.
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