Greenhouse Gas Protocol – Ihr Schlüssel zur korrekten CO2-Bilanz

Egal ob Ihr Unternehmen berichtspflichtig ist oder freiwillig berichtet: Das Greenhouse Gas Protocol bleibt auch nach den jüngsten Omnibus-Beschlüssen der EU das zentrale Werkzeug zur Messung der Klimaauswirkungen. Lesen Sie, wie Sie mit dem GHG Protocol für Transparenz sorgen und wie Sie es effizient für Ihre Berichterstattung einsetzen.

27.01.2026

4 Minuten Lesezeit

Austausch zweier Personen, die auf ihren Laptop schauen mit Klima-Icons

Ob ein Geschäftsmodell als zukunftsfähig gilt, ob Investitionen als nachhaltig bewertet werden oder ob Klimaziele als erreicht gelten – eine Kennzahl spielt dabei eine entscheidende Rolle: die Menge der ausgestoßenen Treibhausgase, der so genannten Greenhouse Gases (GHG).

Dabei geht es nicht nur um CO2. Methan und Lachgas aus der Landwirtschaft oder F-Gase aus Kühlanlagen haben eine teils um ein Vielfaches höhere Klimawirkung. Erst ihre Zusammenführung in CO2-Äquivalente macht Klimawirkung messbar, vergleichbar und steuerbar. Das Greenhouse Gas Protocol (GHG Protocol) ist der global führende Standard zur Erfassung, Berechnung und Berichterstattung dieser Treibhausgas Emissionen (GHG) in Unternehmen und Organisationen.

Was ist das Carbon Accounting via GHG Protocol?

Das Greenhouse Gas Protocol bietet eine international anerkannte Methodik, um das so genannte Carbon Accounting umzusetzen. Im GHG Protocol bedeutet Carbon Accounting, gezielt zu ermitteln, welche Treibhausgase ein Unternehmen verursacht, in welchem Umfang sie entstehen und an welchen Stellen sie auftreten.

Das Protokoll liefert Vorgaben, um diese Emissionen einheitlich zu quantifizieren, zu strukturieren und zu dokumentieren. Ziel ist es, einen klaren Überblick über die Treibhausgas-Emissionen eines Unternehmens zu gewinnen und diese in einem vergleichbaren und belastbaren Format zu berichten.

Was ist der Unterschied zwischen GHG Protocol und ISO 14064?

Das GHG Protocol wurde vom World Resources Institute (WRI) und dem World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) entwickelt, um Unternehmen praxisnahe Hilfe bei der Bilanzierung ihrer Emissionen zu geben – insbesondere entlang der drei Scopes. Die Anwendung ist in freiwilligen Berichterstattungen ebenso präsent wie in regulatorischen Kontexten wie der CSRD. Neben dem GHG Protocol existiert ein weiteres Rahmenwerk, das für die Berichterstattung der Treibhausgas-Emissionen eingesetzt wird: Die ISO 14064.

Bei der ISO 14064 handelt es sich um einen internationalen Normenstandard, der auf dem GHG Protocol aufbaut, aber zusätzlich einen strukturierten Rahmen für die Verifizierung und die formelle Einhaltung von Standards bietet. In beiden Standards sind die Scopes (1, 2, 3) von zentraler Bedeutung. Beide Standards ergänzen sich und lassen sich sehr gut kombinieren. Viele Unternehmen nutzen daher beide Rahmenwerke: Das GHG Protocol für die operative Bilanzierung und das Verständnis der Emissionen einerseits und die ISO 14064 für die korrekte Dokumentation und die externe Verifizierung und Auditierung andererseits.

Welche Treibhausgase müssen im GHG erfasst werden?

Insgesamt müssen laut GHG Protocol im Corporate Carbon Footprint sieben Treibhausgase erfasst und berichtet werden, die ursprünglich im Kyoto-Protokoll festgelegt wurden. Dabei handelt es sich um:

  • Kohlenstoffdioxid (CO2)
  • Methan (CH4)
  • Lachgas (N2O)
  • Fluorkohlenwasserstoffe (HFKW / HFCs)
  • Perfluorkohlenwasserstoffe (PFKW / PFCs)
  • Schwefelhexafluorid (SF6)
  • Stickstofftrifluorid (NF3)

Welche Scopes gibt es im Greenhouse Gas Protocol?

Das GHG Protocol unterscheidet drei Scopes, um die Emissionsquellen eines Unternehmens systematisch zu strukturieren.

  • Scope 1 fasst direkte Emissionen aus Quellen, die im Eigentum oder unter Kontrolle des Unternehmens stehen – etwa Emissionen durch Verbrennung in eigenen Anlagen oder Fahrzeugflotten.
  • Scope 2 umfasst indirekte Emissionen, die durch den Bezug von eingekaufter Energie entstehen – wie Strom, Wärme oder Kühlung.
  • Scope 3 deckt alle weiteren indirekten Emissionen entlang der Wertschöpfungskette ab, die nicht in Scope 2 fallen. Dazu gehören zum Beispiel eingekaufte Materialien, Transport, Geschäftsreisen oder Emissionen aus der Nutzung und Entsorgung verkaufter Produkte.

Hinweis: Der Scope 3 stellt meist den umfangreichsten Teil der Bilanz dar und erfordert eine besonders gute Datenerhebung.

Die ISO 14064 – Scope 1, 2 und 3

Während die Scopes bei der Erfassung im GHG Protocol klar aufzeigen, wie und wo die Emissionen anfallen, beantwortet die ISO 14064 die Fragen, was genau relevante Treibhausgas-Emissionen sind, wie sie korrekt berechnet und dokumentiert werden und wie die Klimabilanz schließlich unabhängig geprüft werden kann.

Dabei taucht auch immer wieder die Frage auf: Was ist ISO 14064 Scope 1 2 3?  Da die ISO 14064 auf dem GHG Protocol aufbaut, werden von ihr ebenfalls die drei Scopes berücksichtigt. Die Dreiteilung der Normreihe beruht allerdings nicht auf den einzelnen Scopes, sondern auf den verschiedenen Ebenen, die von der ISO 14064 angesprochen werden. Jeder Teil der ISO 14064-Normenreihe setzt einen jeweils spezifischen Fokus im Kontext der Quantifizierung und Berichterstattung von Treibhausgasen sowie deren Verifizierung.

  • ISO 14064-1
    Sie legt die Grundlage für eine systematische Erfassung und Berichterstattung von Treibhausgasemissionen auf Organisationsebene. Sie richtet sich an Organisationen, die ihre Treibhausgas-Emissionen systematisch erfassen, bewerten und berichten möchten – zum Beispiel im Rahmen eines Corporate Carbon Footprint. Der Standard legt detaillierte Anforderungen an die Erstellung von Emissions-Inventaren fest. Dabei orientiert sich die ISO 14064-1 am Greenhouse Gas Protocol (Scope 1, 2 und 3), erweitert die dort genannten Scopes aber um zusätzliche Struktur und formale Anforderungen.
  • ISO 14064-2
    Dieser Teil spricht die Projektebene an und legt Anforderungen für Unternehmen oder Organisationen fest, die konkrete Projekte zur Emissionsminderung planen, umsetzen und bewerten. Der Fokus liegt hier also nicht auf der Gesamtbilanz eines Unternehmens, sondern auf den Emissionen eines bestimmten Projekts – zum Beispiel der Umstellung einer Produktionsanlage auf erneuerbare Energie oder der Einführung eines energieeffizienten Transportsystems.
  • ISO 14064-3
    Der dritte Teil der Normreihe fokussiert auf die Verifizierung. Er legt die Anforderungen an Verifizierungs- und Validierungsprozesse durch externe Dritte fest. Die Verifizierung durch externe Stellen bewertet, ob erhobene Daten korrekt und vollständig sind, während die Validierung vorausschauend die Planungsgrundlagen beurteilt. Unternehmen, die ihre Emissionsbilanzen oder Klimaprojekte gegenüber Investor:innen, Kund:innen oder Behörden glaubwürdig belegen möchten, nutzen ISO 14064-3 häufig als Grundlage für Testate, Zertifizierungen oder regulatorische Nachweise.

Ziele des Unternehmensstandards Greenhouse Gas Protocol

Der Unternehmensstandard des Greenhouse Gas Protocol verfolgt das Ziel, Unternehmen weltweit in die Lage zu versetzen, ihre Treibhausgasemissionen konsistent, transparent und vergleichbar zu erfassen und zu berichten. Er schafft dafür einen gemeinsamen methodischen Rahmen und ein einheitliches Begriffsverständnis, insbesondere durch die Scope-1-, Scope-2- und Scope-3-Logik. Auf dieser Grundlage werden Emissionen über Unternehmen, Branchen und Zeiträume hinweg vergleichbar und nachvollziehbar.

Zugleich soll der Standard transparent machen, wo und wodurch Emissionen tatsächlich entstehen. Er zwingt Unternehmen dazu, nicht nur direkte Emissionen aus eigenen Quellen zu betrachten, sondern auch indirekte Emissionen entlang der Wertschöpfungskette sichtbar zu machen. Damit wird Klimawirkung nicht auf Firmenstandorte reduziert, sondern als unternehmerische Gesamtverantwortung verstanden.

Ein weiteres zentrales Ziel des GHG Protocol ist es, Klimabilanzen als Management-Instrument nutzbar zu machen. Die Emissionen systematisch zu erfassen, soll Unternehmen dabei unterstützen, wesentliche Emissionstreiber zu identifizieren, Reduktionspotenziale zu priorisieren und belastbare Klimastrategien zu entwickeln.

Darüber hinaus zielt der Unternehmensstandard GHG darauf ab, glaubwürdige externe Berichterstattung zu ermöglichen. Gleichzeitig ist er so ausgestaltet, dass er als methodische Basis für weiterführende Anforderungen dient, etwa für ISO-Normen wie der ISO 14064.

Fazit: GHG Protocol bringt Ordnung in die Emissionsdaten

Wer in seinem Unternehmen den Greenhouse Gas Protocol Standard anwendet, kann die Treibhausgasemissionen klar und verständlich berichten. Auf diese Weise können Unternehmen ihre Daten direkt mit internationalen Standards vergleichen und Transparenz schaffen – auch für externe Stakeholder.

Das GHG Protocol hilft nicht nur große Unternehmen, Emissionstreiber zu erkennen, Reduktionspotenziale zu finden und Klimastrategie gezielt zu verbessern: Es hilft auch KMU, Ordnung in die Emissionsdaten zu bringen und Verantwortung zu zeigen – gegenüber dem Klima, den Kund:innen und vor allem auch gegenüber den Investor:innen.

Sowohl für die Berichtspflicht als auch für freiwillige berichtende Unternehmen ist GHG ein unverzichtbares Werkzeug, um die eigenen Emissionsdaten strukturiert zu erfassen und sie transparent zu kommunizieren.

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